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Ergebnisse virtuelle Abschlusskonferenz ZellDiX
03.09.2020

Die Ergebnisse des Projektes ZellDiX wurden am 6. und 7. Mai 2020 virtuell in vier Blöcken präsentiert. Diese sind nachfolgend kurz zusammengefasst.

  • Feldstudie Berlin-Brandenburg, Studienaufbau
  • Performance verschiedener Zellzahlgrenzen zum Screening von Euterinfektionen

Die FU Berlin stellt zunächst das Ziel der Feldstudie aus Sicht des Projektes bzw. der Datenauswertung vor. So sollte auf den Projektbetrieben ein Bezug zwischen der MLP-Probe (Milchmischprobe) und Viertelgemelksproben, die auf Mastitiserreger untersucht wurden, hergestellt werden. Hierbei stand die Frage im Mittelpunkt, ob später von einer MLP-Probe Rückschlüsse auf das Erregergeschehen gezogen werden können – und hierbei der Zelldifferenzierungsindex (ZDI) eine Information liefert. In diesem Zusammenhang wurden auch die Zellzahlgrenzen 100.000, 150.000, 200.000 und 250.000/ml verglichen.
Die FU Berlin vergleicht den zur Verfügung stehenden Datensatz mit den erstellten Vorgaben. Aus unterschiedlichsten Gründen ist der Datensatz reduziert, aber im Vergleich zu anderen internationalen Auswertungen umfangreich. Nichtsdestotrotz hatte dies zur Folge, dass einige der geplanten Fragestellungen nicht ausgewertet bzw. beantwortet werden konnten.
Im Hinblick auf die Zellzahlgrenzen wurde festgehalten, dass im Sinne eines Frühwarnsystems aus einer MLP-Probe die Zellgrenze von 100.000/ml prädestiniert ist. Dies wurde in den späteren Präsentationen der FU Berlin unterstützt und bestätigt insoweit die Arbeitsergebnisse aus dem Projekt milchQplus; insbesondere die von Herrn Prof. Krömker.

Hier erhalten Sie die Präsentation des 1. Themenblocks.

  • Feldstudie Berlin-Brandenburg, Mehrwert des ZDI
  • Nutzen des ZDI zur Diagnostik von Erregern

In diesem Vortragsteil präsentiert die FU Berlin die Ergebnisse zu der Frage, inwieweit der ZDI zur Mastitiserregerdiagnostik genutzt werden kann. So war eine Arbeitshypothese, dass mithilfe des ZDI aus einer MLP-Probe Rückschlüsse auf den Erreger gezogen werden können oder zumindest der Hinweis gegeben wird, dass von der betreffenden Kuh Viertelgemelksproben für eine bakteriologische (oder PCR) Untersuchung genommen werden sollten.
Die Mastitiserreger wurden von der FU Berlin nach unterschiedlichen Ansätzen kategorisiert und ausgewertet. Dies sind: Major und Minor, Gram positive und negative sowie Kuh- und Umweltassoziiert. Die FU Berlin stellte ihre Ergebnisse auch im Vergleich zu aktuellen internationalen Ergebnissen vor. Hierbei wird deutlich, dass die Ergebnisse in ihrer Gesamtheit vergleichbar sind. In Bezug auf das Datenmaterial wird von der FU Berlin herausgestellt, dass die Kuagulase negative Staphylokokken (KNS-Erreger) einen großen Anteil der Erregerbefunde einnehmen und dass eine Subspezifizierung notwendig gewesen wäre, da sonst keine Unterscheidung zwischen pathogen und nicht pathogen möglich ist.
Zusammengefasst wird, dass der ZDI anfällig für eine Verdünnung im Gesamtgemelk (MLP-Probe) ist. Weiterhin liefert der ZDI im Vergleich zur Zellzahl keinen Mehrwert für die hier präsentierten Beantwortungen der Fragestellungen. Es ist mit einem geeigneteren Datenmaterial denkbar, dass ein Modell zur Empfehlung einer bakteriologischen Untersuchung entwickelt werden kann. Dann wäre im Auswertungsdatenmaterial aber auch eine KNS Subspezifizierung erforderlich.

Hier erhalten Sie die Präsentation des 2. Themenblocks.

  • ZDI im Rahmen der MLP. Welchen Mehrwert hat der ZDI?
  • ZDI bei laktierenden Kühen. Analysen zum Mehrwert des ZDI bei Trockenstehern und Erstlaktierenden

In dieser Präsentation geht die FU Berlin der Frage nach, ob der ZDI einen Mehrwert an Information bei Neuinfektionen, für Trockensteher und für die Erstlaktierenden liefert.
Zunächst stellt die FU Berlin heraus, dass der ZDI nicht losgelöst von der Zellzahl betrachtet werden darf, da beide Parameter eng miteinander korreliert sind. So haben die Datenanalysen nachgewiesen, dass ein Großteil der Informationen des ZDIs in der Zellzahl steckt – insbesondere, wenn man den Zellzahlverlauf über mehrere Monate berücksichtigt. Insofern müssen Arbeiten Dritter, die den ZDI auswerten und die Zellzahl unberücksichtigt lassen, kritisch hinterfragt werden.
In dem umfangreichen Datenmaterial aus Bayern und NRW hat die FU Berlin für den Bereich der Neuinfektionen herausgearbeitet, dass der ZDI für ca. 8 % der neuinfizierten Kühe einen Mehrwert im Hinblick auf die Vorhersage eines anhaltenden Zellzahlanstieges liefert.
Bei den Trockenstehern folgert die FU Berlin mit den Auswertungen, dass Neuinfektionen in der Trockenstehphase nicht vorhersagbar sind. Ebenso ist eine Heilung in der Trockenstehphase kaum vorherzusagen. Für weitergehende Analysen wäre die Information, ob eine Kuh antibiotisch trockengestellt wurde, entscheidend.
Bei den Erstlaktierenden besteht insofern ein Unterschied, dass aus der Historie keine Zellzahlergebnisse vorliegen. In den Auswertungen wurde deutlich, dass das erste Zellzahlergebnis, bzw. sein Informationsgehalt, stark von den Tagen in Milch abhängig ist. Weiterhin konnte herausgearbeitet werden, dass auch Zellzahlergebnisse unter 100.000/ml auffällig sein können. Insgesamt bietet der ZDI für diese Tiergruppe einen Mehrwert in Bezug auf die Vorhersage, ob nachfolgende Zellzahlergebnisse erhöht sein werden. Dies gilt ebenso, wenn das erste Zellzahlergebnis unter 100.000 liegt.

Hier erhalten Sie die Präsentation des 3. Themenblocks.

  • ZellDiX Modelle zur Vorhersage der stabilen Eutergesundheit und anhaltenden Zellzahlstörungen.
  • Praxisimplementierung und Erfahrungen aus der Praxis in Nordrhein-Westfalen und Bayern

Die FU Berlin stellt die zwei entwickelten Vorhersagemodelle vor. Dies ist das Chronizitätsmodell, das einen dauerhaften Zellanstieg > 400.000 vorhersagt sowie das Modell zur Vorhersage einer stabilen Eutergesundheit, das eine bleibende Zellzahl von < 100.000 voraussagt. Beide Modelle nutzen neben einer Reihe von Parametern die Zellzahlhistorie – bis zu sieben Zellzahlergebnisse in der Vergangenheit.
Die Modelle wurden in NRW in Pilotbetrieben getestet und mit Tierärzten diskutiert. Im Fall des Chronizitätsmodells ist die Interpretation für die Landwirte einfach nachvollziehbar. Die Tierärzte haben für dieses Modell den Wunsch geäußert, dass die gelisteten Tiere mit denen der Eutergesundheitskennzahl „Anteil chronisch euterkranker Tiere mit schlechten Heilungsaussichten“ kombiniert zusammengefügt werden.
Für das Modell der stabilen Eutergesundheit ist es insofern neu, dass man sich den vermeintlichen eutergesunden Tiere widmet. Dieser neue Ansatz verspricht insoweit Potential, dass auf sich anbahnende Änderungen früher reagiert werden kann. Gleichzeit erfordert dies Unterstützung in der Ergebnisinterpretation, bzw. den Handlungsempfehlungen.
Beide Modelle werden im nächsten Schritt auch in Bayern implementiert.

Weiter wird festgehalten:

  • Die Programmimplementierung kann unabhängig von Ressourcen der FU Berlin erfolgen.
  • Die Programme sind so konzipiert, dass sie einfach erweiterbar sind – z.B. mit weiteren Informationsquellen.
  • Der Programmcode und die Dokumentation stehen zur Verfügung.
  • Regelmäßig (alle 1 – 2 Jahre) muss die Modellqualität überprüft und evtl. kalibriert werden.
  • Der GOSE-Wert bietet eine neue gute Möglichkeit der Überprüfung der Probenqualität bzw. Zellzahlbestimmung.
  • Mit komplexeren Modellen, die ein umfangreicheres Datenmaterial auswerten, wäre es denkbar, mögliche Zusatzinformationen aus dem ZDI verfügbar zu machen.
     - Dies beinhaltet Modelle zum Empfehlen einer bakteriellen Untersuchung (Datenmaterial mit größerer Anzahl Befunde
        sowie KNS Subspezifizierung).
     - Vorhersage des antibiotischen Behandlungserfolgs (benötigt Erreger- und Behandlungsdaten).

Hier erhalten Sie die Präsentation des 4. Themenblocks.